Schlagwort: Haushalt

  • Antrag auf Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes

    Bei der Haushaltssitzung des Schongauer Stadtrats am 23. März 2021 stellte Daniela Puzzovio den Antrag auf Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes mit der unten folgenden Begründung.
    Der Antrag wurde mit 14:11 Stimmen abgelehnt. Für die Erhöhung stimmte die ALS-Fraktion (Nina Konstantin, Daniela Puzzovio, Gregor Schuppe), die Fraktion der GRÜNEN (Bettina Buresch, Teresa Subiabre Haseitl, Janaina Subiabre Haseitl) und 5 Mitglieder der SPD-Fraktion (Ilona Böse, Barbara Karg, Alexander Majaru, Martin Schwarz, Dr. Friedrich Zeller). Gegen die Erhöhung stimmte die CSU-Fraktion (Kornelia Funke, Michael Eberle, Dr. Oliver Kellermann, Peter Bommersbach, Dr. Jiri Faltis, Marianne Porsche-Rohrer, Hans-Jürgen Rehbehn, Thomas Schleich) die UWV-Fraktion (Dr.-Ing. Stephan Hild, Monika Maucher, Winfried Schaur, Susanne Tischner) ein SPD-Stadtrat (Stefan Konrad) und Bürgermeister Sluyterman.

    Hier der Redebeitrag von Daniela Puzzovio:

    „Ich beantrage im Namen der ALS und der Grünen die Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes in Schongau von 350% auf 380%.

    Ich möchte Ihnen kurz darstellen, warum wir diese Erhöhung beantragen.

    Wenn wir auf unseren Haushalt 2021 schauen, sehen wir, dass wir mit der vorgeschlagenen Lösung der Rücklagenentnahme und der Kreditaufnahme dieses Jahr durchkommen werden. Allerdings ist der Vermögenshaushalt, aus dem wichtige Investitionen für Schongau getätigt werden, mit gut 5 Mio € rund 2,6 Mio € niedriger als noch vor einem Jahr geplant. Deswegen sind einige Projekte auf nächstes Jahr verschoben. Dann sind 9,6 Mio € angesetzt und wir können ein paar wichtige Projekte durchführen. Dies sind unter anderem ein paar Straßen und auch eine Teil-Sanierung der Mittelschule mit gut 1 Mio €. Sie wissen, dass die Mittelschule eigentlich weiter saniert werden müsste, aber das verschieben wir auf einige Jahre hinaus, denn in den Jahren 2023 und 2024 ist unser Vermögenshaushalt nur noch 3,5 bzw. 2,6 Mio €. Damit passiert nicht mehr viel. Die Mittelschule bleibt wie sie ist und die Straßen werden höchstens weiter geflickt. Die Zahlen werden sich von alleine nicht gravierend ändern, wenn wir nicht jetzt etwas unternehmen. Bei unserer Entscheidung heute müssen wir, wenn wir einen guten Job machen, auch die nächsten Jahre im Kopf haben.

    Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Erhöhung der Steuern? Egal, wen sie fragen, ist die Antwort eigentlich „nie“. Ich habe von einigen meiner Kollegen im Stadtrat gehört, dass dies vorbereitet werden muss und dass es doch besser in wirtschaftlich guten Jahren erfolgen soll. Tja, das ist leider die letzten Jahre nicht geschehen und ich zweifle daran, dass es in der nahen Zukunft diese Konstellation geben wird, denn die Aussichten für die Wirtschaft sind eher verhalten. Wir müssen gemeinsam in den sauren Apfel beißen, mutig sein und es JETZT richtig machen und nicht noch mehr Zeit verlieren.

    Wir haben auch gehört – und ich stimme dem zu, dass wir kräftiger sparen müssen. Vielleicht haben Sie gesehen, dass der Verwaltungshaushalt (mit 28,4 Mio €) etwa 1,5 Mio € niedriger ist als in 2020. In den Folgejahren wird er aber wieder ansteigen, denn wir müssen unsere Schulden tilgen, die wir mit jetzt in der Situation planen. Es wird sicher immer wieder Einsparpotenziale geben, aber da reden wir meiner Meinung nach nicht von Millionenbeträgen. Dazu müssten wir Projekte streichen.

    Wir haben auch die Sicht der Unternehmer eingenommen. Sie wissen, für die Personengesellschaften ändert sich unter dem Strich nichts, denn die Gewerbesteuerzahlung kann bis zu einem Wert von – seit letztem Jahr 400% – komplett auf die Einkommenssteuer angerechnet werden. Für die anderen Unternehmensformen ändert sich etwas. Bislang haben die Unternehmen 12,25% ihres Gewinns als Gewerbesteuer bezahlt, nach der Anhebung zahlen sie 1,05% mehr. Ein Beispiel dazu: wenn 1 Mio € Gewinn gemacht wurde, zahlt der Unternehmer bislang 122.500 €, danach dann 133.000 €, das sind 10.500 € mehr von dem Gewinn in Höhe von 1 Mio €. Keiner will gerne etwas von seinem Gewinn abgeben. Ich bin mir sicher, bei vielen Unternehmen fließt von dem Gewinn auch einiges in die Standortsicherung und -erweiterung zurück. Und genau das machen wir auch mit dem Geld. Wir sorgen dafür, dass die Mitarbeiter und Lieferanten auf guten Straßen unterwegs sind, dass die Mittelschule Schüler ausbildet, die als Praktikanten, später als Auszubildende und Fachkräfte in den Unternehmen tätig sind. Wir investieren das Geld auch, wenn noch etwas übrig ist, in die Attraktivität von Schongau mit einem tollen Vereinsleben, guten Schulen, Sport- und Freizeitangeboten. Die Mehreinnahmen werden im Sinne der Unternehmer ausgegeben, damit es auch in Zukunft genug Fachkräfte in Schongau gibt, die sich hier mit ihren Familien wohlfühlen.

    Wir haben auch gehört, dass es bislang ja noch immer gut gegangen ist und am Ende des Jahres genügend übrig war, um Anträge zu stellen, damit alle möglichen Projekte doch noch durchgeführt werden konnten. Das mag schon richtig sein, dass es in vielen Jahren so war, dass die Gewerbesteuereinnahmen am Ende des Jahres höher waren als zuvor angesetzt. Letztes Jahr bekamen wir den Ausgleich vom Staat zu 100% der Vorjahresdurchschnitte. Doch das war bis November nicht klar. Im Jahr 2019 waren 12,1 Mio € geplant, geworden sind es dann 9,6 Mio €. Wollen wir uns wirklich auf dieses Risiko einlassen?

    Ich persönlich denke, dass wir in der Zukunft alle – von der privaten Person, über die Unternehmen bis hin zu den Kommunen – anders denken und wirtschaften müssen. Dazu gehören auch andere Finanzierungsmodelle, wie z.B. Crowdfunding, wo man gemeinsam etwas finanziert und dann auch gemeinsam davon profitiert. Ich werde mich hier im Stadtrat dafür einsetzen, neue gemeinsame Wege zu suchen und zu finden, um Projekte umzusetzen, vor allem auch mit regionalen Unternehmen und hoffe, dass viele meiner Kolleginnen und Kollegen dabei mitgehen.

    Aber da sind wir noch nicht, heute müssen wir für 2021 und die Folgejahre entscheiden und ich wünsche mir, dass viele von uns das so sehen und bei unserem Antrag mitstimmen.“

  • Haushalt 2019: Gewerbesteuer bleibt zu niedrig

    Der Haushaushalt 2019 ist mit einer Mehrheit von 17 zu 4 Stimmen beschlossen worden. Abgelehnt haben den Haushalt die drei anwesenden ALS-Mitglieder Bettina Buresch, Sigi Müller, Gregor Schuppe sowie SPD-Rat Peter Huber. Der entscheidende Faktor für die Stadträte der Alternativen Liste, den Haushalt abzulehnen, war – wie schon beim Haushalt 2018 – die starre Haltung der anderen Fraktionen, die sich erneut und ohne Begründung gegen eine Verbesserung der Einnahmen aus der Gewerbesteuer aussprachen.

    In den vergangenen Jahren kam aus den Reihen der CSU der Vorwurf, es sei Absicht der ALS-Stadträte, aus „Gier die Unternehmen zu schröpfen“. Wir haben deshalb darauf hingewiesen, dass Konzerne, Holdings, GmbHs usw. in den letzten Jahrzehnten mehrfach steuerlich massiv entlastet wurden. Die von der ALS geforderte Anpassung, den Hebesatz der Gewerbesteuer auf 380 v. H. zu erhöhen und damit einen geringen Teil dieser Entlastungen wieder fürs Gemeinwohl zu generieren, haben viele andere Kommunen im Landkreis wie z.B. Weilheim, Peißenberg, Peiting, Hohenfurch, Burggen, Bernbeuren, Steingaden usw. längst beschlossen. Von einer irgendwie gearteten Gier kann also überhaupt nicht die Rede sein. Fast alle der genannten Orte hatten vorher zum Teil sogar wesentlich niedrigere Hebesätze (300, 310, 320 v.H.) als Schongau (350 v.H.). Dennoch hat eine breite Mehrheit im Stadtrat diese längst fällige Anpassung erneut abgelehnt und diesmal sogar signalisiert, dass darüber gar nicht mehr gesprochen werden sollte. Die ALS hat jedoch dieses Prozedere nicht akzeptiert und ihre Argumente vorgetragen. Sie wurden – wie mehrheitlich erwünscht – ohne Kommentar einfach zur Kenntnis genommen und ignoriert.
    Sigi Müller

    Bettina Buresch zum Haushalt: Es läuft erfreulicherweise super für die Schongauer Betriebe. Sie machen Riesengewinne. Wann wenn nicht jetzt ist der Zeitpunkt, die Gewerbesteuer, die ja nur auf Gewinne erhoben wird, anzupassen?
    Wir Stadträte haben die Pflicht, vorzusorgen: spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Wenn es in der Wirtschaft wieder bergab geht, brauchen wir nicht mit einem höheren Hebesatz zu kommen.
    Wir haben laufend hohe Ausgaben. Manche drohen schon lange, viele kommen unvorhergesehen (Personal, Neuanschaffungen, Gutachten, …). Wirklich wichtige Investitionen, die auch den Betrieben zugute kommen.
    Die werden uns nicht wegen einer moderaten Hebesatzanpassung, die auch noch gut begründet ist, den Rücken kehren.
    Wir Stadträte müssen zum Wohle der Stadt vorausschauend handeln und dringend die Einnahmesituation verbessern.
    Einem Haushalt, der das vermissen lässt, kann ich nicht guten Gewissens zustimmen.

  • Haushalt 2018: Gewerbesteuer-Hebesatz bleibt auf 350 v. H.

    Die große Mehrheit – 17 Stadtratsmitglieder – ließ ein weiteres Mal die Chance verstreichen, der Stadt durch eine Erhöhung der Gewerbesteuer dringend benötigte höhere Einnahmen zu beschaffen.
    Nur 7 Ratsmitglieder, davon die ALS Fraktion mit 5 Stimmen, Peter Huber und Martin Schwarz (beide SPD) waren für die Erhöhung auf 380. Deshalb stimmte die ALS geschlossen gegen den Haushalt.
    Denn ein Gewerbesteuer-Hebesatz von 380 v. H. ist aus unserer Sicht im Hinblick auf die laufenden Projekte – vor allem für den Neubau der Grundschule – die absolut notwendige Minimallösung auf der Einnahmenseite.

    Rückblick:
    Im Jahr 2016 stimmte eine knappe Mehrheit (12:11) für eine Hebesatz-Erhöhung von 340 auf 380 zum Wohle der Stadt und nutzte damit den aufgezeigten Handlungsspielraum. Diese Entscheidung führte zu Mehreinnahmen von rund 1 Million Euro.
    Aufgrund des Unmuts einiger betroffener Firmen erklärte der Stadtrat im Herbst 2016 – wiederum mit knapper Mehrheit – die Absicht, den Hebesatz ab 2017 auf 350 v. H. zu senken. Der ALS-Fraktion wurde nahegelegt, diesen Antrag auf Erhöhung bis zum Ende dieser Amtsperiode nicht mehr zu stellen. Dieses Ansinnen verstößt absolut gegen unser Demokratieverständnis.

    Haushaltssitzung, Februar 2018
    Den Antrag auf Erhöhung der Gewerbesteuer stellte diesmal Stadtrat Peter Huber (SPD). Die ALS unterstützte ihn und trug dazu folgende Argumente vor:

    • Wer weiterhin für den Gewerbesteuer-Hebesatz von 350 v. H. stimmt, verzichtet bis zum Ende dieser Amtsperiode 2020 auf mehrere Millionen Euro;
    • nimmt der Stadt die Möglichkeit, zukünftig dringend benötigte, hoch qualifizierte und damit gut bezahlte Mitarbeiter zu finden;
    • stimmt gegen die langfristigen Interessen der hiesigen Betriebe, die auf ein möglichst attraktives Schongau angewiesen sind, damit qualifizierte Mitarbeiter gerne in unserer Region wohnen und arbeiten möchten;
    • ignoriert die vom Städte- und Gemeindetag aufgezeigten Handlungsspielräume und schadet damit der Stadt Schongau.

    Jetzt im Jahr 2018 wollten nur noch 7 von vormals 12 Ratsmitglieder die dringend notwendige Verbesserung der Einnahmen fürs Gemeinwohl. Wie es zu diesem Sinneswandel kam, ist für uns nicht nachvollziehbar und wurde in der Haushaltssitzung von keinem Ratsmitglied thematisiert.

    Anmerkungen:
    „Eine Festsetzung des Gewerbesteuer-Hebesatzes bei 380 v. H. entlastet gerade auch kleine und mittlere Personenunternehmen.“
    „Durch die Unternehmensteuerreform 2008 wurde die Steuerbelastung auf Unternehmensebene in Deutschland erheblich gesenkt.“ … „Nettoentlastung von bis zu 10 Milliarden Euro.“
    Quelle: Bayerischer Gemeindetag 8/2009
    Diese von der ALS angesprochene Milliarden-Einsparung war für die anderen Räte überhaupt kein Thema und wurde einfach ignoriert.

    Fazit:
    Wir halten die Entscheidung, zugunsten großer Unternehmen auf Millionenbeträge zu verzichten, für grundfalsch und verantwortungslos.
    Früher gab es mal eine städtische Musikschule, eine Stadtbücherei und ein Stadtmuseum. Seit mehreren Amtsperioden schafft es die Stadt Schongau nicht mehr, diese Einrichtungen – so wie früher – selbst zu betreiben und muss froh sein, wenn diese mit ehrenamtlicher Arbeit erhalten werden können.
    Deshalb werden wir auch weiterhin dafür kämpfen, dass die hiesigen Unternehmen in Zukunft wieder stärker zur Finanzierung städtischer Aufgaben – also fürs Gemeinwohl – beitragen.
    Nina Konstantin, Fraktionsvorsitzende der Alternativen Liste

  • Haushaltsplan 2014: Der Entwurf des Kämmerers enthält eine lange Liste unfinanzierter Projekte

    Die vorgesehenen Investitionsmaßnahmen und die daraus resultierende Finanzplanung waren schwierige Themen, mit denen sich Ende November der Stadtrat beschäftigen musste. Der Verwaltungshaushalt 2014 umfasst Einnahmen von 22.850.930 € und Ausgaben von 22.849.590 €. Im Vermögenshaushalt stehen Einnahmen von 1.592.840 € den Ausgaben in Höhe von 6.047.385 € gegenüber. Für das Jahr 2014 ist – unter Berücksichtigung der Rücklagenentnahme von 400.000 € – ein Kreditbedarf von 4.053.205 € erforderlich. Bis Ende 2017 rechnet Kämmerer Hefele mit einer Gesamtkreditaufnahme von 7.172.000 €. Hinzu kommt, dass sich die Steuereinnahmen in den kommenden Jahren laut derzeit vorliegender Daten nicht wesentlich verändern werden. Stadtkämmerer Hefele rechnet in seiner Planung mit Gewerbesteuereinnahmen von etwa 7 Millionen € (2014: 7,2 Millionen €) pro Jahr. Das gesamte Investitionsvolumen bezifferte der Kämmerer in einer detaillierten Aufstellung auf rund 20,5 Millionen €. In der Planung berücksichtigt sind dabei alle Projekte auch über das Jahr 2017 hinaus. Seine Kernsätze dazu: „Alle Maßnahmen müssen über Fremdmittel finanziert werden. Eine Realisierung aller geplanten Maßnahmen wird nicht möglich sein.“ Durch den Verzicht auf die „kleine Landesgartenschau“ wird sich das Investitionsvolumen um etwa 6 Millionen € verringern.

    Anmerkungen
    1. zur Gewerbesteuer

    Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer sind mehr als unbefriedigend, zumal die Stadt trotz Ausweisung von neuen Gewerbegebieten in den letzten 10 Jahren (von 2003 bis 2012) im Durchschnitt nur knapp 7 Millionen € pro Jahr eingenommen hat. Wie niedrig dieser Betrag ist, wird deutlich, wenn man die Einnahmen aus der Vergangenheit anschaut und feststellt, dass Einnahmen aus der Gewerbesteuer von mehr als 7 Millionen € bereits Ende der 1970er und in den 1980er Jahren keine Seltenheit waren: 1979 (7,8 Mill. €); 1981 (7,2 Mill. €); 1985 (7,6 Mill. €); 1986 (7,8 Mill. €).
    Trotzdem wollte die Mehrheit im Stadtrat bisher keine Verbesserung der Einnahmen durch Anhebung des Hebesatzes von 340 auf 380 Prozentpunkte beschließen.
    2. zu den Personalausgaben
    1985 lagen die Personalausgaben noch bei 3,5 Mill. € pro Jahr. Im Jahr 1998 waren es bereits 5,5 Mill. €. Im Zuge der Sparmaßnahmen hat der Stadtrat beschlossen, die Musikschule, das Museum und die Bücherei auszugliedern. 2011 lagen die Kosten fürs Personal bei rund 4,9 Millionen €; 2012 wird mit einem Betrag von 5,2 Millionen € gerechnet.
    Fazit: Die Stadtratsmehrheit von CSU und UWV hat in der Vergangenheit bis heute stets die ausufernden Personalausgaben kritisiert. Immer wieder werden bei Haushaltssitzungen Kürzungen beim Personal gefordert, während die Verbesserung der Einnahmen durch Anhebung des Gewerbesteuer-Hebesatzes – wie sie von der Alternativen Liste seit zwei Jahrzehnten gefordert und von den meisten SPD-Ratsmitgliedern inzwischen mitgetragen wird – ein Tabu bleibt.

    Sigi Müller

  • Zwei ALS-Anträge im Stadtrat: Geschwindigkeitskontrollen, Denkmäler & Haushaltsideen

    Nachdem die Friedhofsgebührensatzung unspektakulär vom Stadtrat geändert wurde (einstimmig), wurde als zweiter Punkt der Tagesordnung der Antrag der ALS zum Beitritt Schongaus in den „Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung Oberland“ besprochen. Nina Konstantin trug den Antrag und Begründung vor. Darin forderte sie, die Einhaltung der geltenden Geschwindigkeitsbeschränkungen durch Radarkontrollen zu überprüfen.
    Für die CSU betonte Michael Eberle, dass er und Teile seiner Fraktion diesem Antrag zustimmen würden, die CSU aber nicht geschlossen abstimmen würde. Allein die Erwähnung dieser Selbstverständlichkeit lässt tief blicken: Offensichtlich herrscht in der größten Stadtratsfraktion entweder fast immer eine unfassbare Einigkeit oder es wird eine mehr oder weniger sanfte Form des Fraktionszwangs ausgeübt.
    Stadtrat Hild (UWV) monierte die Untätigkeit der Verwaltung nach den wiederholt eingegangenen Bürgerbeschwerden über Raserei in Wohngebieten. Tatsächlich war die Verkehrssituation im Forchet sowie der Beschluss einer baulichen Veränderung bereits Thema im Bauausschuss. Passiert ist (mal wieder) nichts.
    Nach einem völlig überflüssigen Geplänkel zwischen den Stadträten Eberle (CSU) und Bohrer (SPD) – muss das immer sein? – warf Stadtrat Hunger (CSU) noch ein, dass die zu erhebenden Strafgelder für Blitzer den Betroffenen direkt Kaufkraft entzieht. Nach dieser Logik dürften aber generell keine Gebühren, Abgaben oder Steuern erhoben werden, auch diese nehmen den Bürgern ja Geld, das sie sonst natürlich in der Schongauer Altstadt ausgegeben hätten … Grundsätzlich herrschte im Gremium jedoch die Ansicht vor, durch eine Zweckvereinbarung eine Art zweijährige Probezeit der Radarkontrollen festzusetzen. Der Antrag der ALS wurde mit 17:5 Stimmen angenommen. Gegen den Antrag stimmten die Stadträte Hild und Motz (UWV) sowie Schmidbauer, Blüml und Hunger (CSU).

    Denkmäler
    Der nächste Tagesordnungspunkt war ebenfalls ein Antrag aus der ALS-Fraktion. Stadträtin Bettina Buresch beantragte die Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung an die Opfer der Schongauer Hexenprozesse. Dieses sollte nach ihren Vorstellungen im Innenhof des Altenheims und in Form von 63 mit den Namen der Opfer versehenen Rosenstöcken entstehen.
    Stadtrat Schmidbauer entgegnete ihr, dass es bereits ein Denkmal für diese Opfer gebe, nämlich im Ballenhaus. Fast allen Stadträten war dieses bislang jedoch völlig unbekannt. Darum sollte diese Skulptur auch versetzt werden, gerne auch in den Klosterhof. Die Form eines Denkmals in Form der Rosenstöcke, wie von Buresch gefordert, lehnte Schmidbauer ebenso wie andere Stadträte ab. Nachdem der Stadtförster Herr Thien die jährlichen Pflegekosten auf 3200€ bezifferte (was Bettina Buresch anzweifelte) verstärkte sich diese Ablehnung. Schließlich kam man überein, sich in kleiner Runde erneut mit der (Neu-)Gestaltung eines Denkmals für die Opfer der Hexenprozesse zu befassen. Allein dies ist eindeutig ein Erfolg für die Antragstellerin: Es wird im Klosterhof ein Denkmal geben. Und zwar eines, das man besuchen kann und das somit die Erinnerung an die unschuldigen Frauen aufrechterhält.

    Gerbls Haushaltsideen
    Der nächste Tagesordnungspunkt war die Aussprache und Abstimmung über eine Liste von Streichungen des Bürgermeisters, durch die der nächste Haushalt der Stadt ohne Neuverschuldung auskommen sollte. Der Hintergrund ist sehr ernst: Nähme die Stadt neue Schulden auf, müsste der städtische Haushalt überprüft werden. Und im Zuge dieser Überprüfung käme auf die Stadt Schongau wohl unweigerlich die Einführung einer Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs) zu. Dies wäre tatsächlich ein gravierender Einschnitt. Schließlich können durch diese Satzung doch Kosten in Höhe von vielen tausend Euro auf Anwohner einer zu renovierenden Straße zukommen! Um dies zu verhindern, soll also ein ausgeglichener Haushalt erreicht werden. Die vorgeschlagenen Streichungen oder Kürzungen (Ersatzbolzplatz für den abgerissenen OBI-Fußballplatz, Renovierung der Heilig-Geist-Kirche, Renovierung Kindergarten Benefiziumstraße, Sanierung/Umbau Weinstraße) waren sehr umstritten. Vor allem aber gelang es Herrn Gerbl nicht, die Diskussion auf diese Punkte zu beschränken. Und so schien ihm die Sitzung mal wieder zu entgleiten, weil er es versäumte, den Rednern der verschiedenen Fraktionen rechtzeitig Einhalt zu gebieten. So aber nutzten beispielsweise die Stadträte Blüml (CSU) oder Hild (UWV) den ihnen gebotenen Rahmen für Beiträge, die mit dem eigentlichen Tagesordnungspunkt nicht wirklich etwas zu tun hatten.
    Die Streichliste Gerbls wurde schließlich mit Ausnahme der Bolzplatzstreichung (Gott sei Dank!) mehrheitlich beschlossen.
    Zu diesem Zeitpunkt habe ich die Sitzung »schon« (nach knapp drei Stunden!) verlassen. Nicht zuletzt aus Ärger über ein von Stadtkämmerer Hefele nur beiläufig erwähntes Bauvorhaben: So plant die Stadt tatsächlich, die Ein-/Ausfahrt der städtischen Tiefgarage zu überdachen. Eigentlich ist diese ja beheizt und somit vollkommen sicher vor Glatteis. Aber diese Heizung könne ja auch mal ausfallen und mit einer Überdachung sei man dann auf der sicheren Seite. Willkommen in Schilda!
    Gregor Schuppe, Vorsitzender der Alternativen Liste Schongau